Sonntag 13.09.2020: „Junge Entdecker“ mit Bardh Lepaja

Bardh Lepaja, ein Vollblutmusiker mit viel Einfühlungsvermögen

Als sich Bardh als möglicher zukünftiger Lehrer vorstellte, dachte ich mir: Wow, das ist der erste Geiger, der auch gerne Klavier spielt und sogar „Singen“ als Fachgebiet nennt. Dadurch war meine Neugier geweckt, obwohl ich noch nicht ahnen konnte, was diese Begegnung alles auslösen würde.

Der 22-jährige Geigenvirtuose kam in die Schule, wir spielten zusammen Brahms, und ich fragte ihn gleich, was das mit dem Singen und Klavier spielen auf sich hat. Er sagte, natürlich ist er kein ausgebildeter Pianist oder Sänger. Aber er hatte sich gedacht, dass er mit kleinen Kindern auf alle möglichen Arten musizieren könne. Eben auch am Klavier oder durch Singen. In seiner Heimatstadt Pristina veranstalten sie bereits für 6-jährige Kinder „Aufnahmeprüfungen“, und insgesamt sei es sehr um messbare musikalische Leistung gegangen. Ihm habe das sehr viel Spaß gemacht. In Deutschland habe er dann einen anderen Ansatz kennengelernt: Die Individualität der Kinder und ihre musikalische Kreativität ins Zentrum seiner Arbeit zu stellen.

Boah, dachte ich mir, Dich schickt mir der Himmel. Hatte ich doch im März drei parallel laufende „Junge Einsteiger“ Kurse Knall auf Fall schließen müssen. Vielleicht könnten wir aus seinen Erfahrungen ein neues Konzept bauen, das speziell auf Bardhs Kompetenz und kultureller Erfahrung aufbaut. Ein Kurs, der das beste aus beiden Welten – die fassbare konkrete Ausbildung und die entschiedene Förderung von Individualität und Kreativität – verbinden würde.

Innerhalb von wenigen Tagen strukturierten wir den neuen Kurs. Als „Juwel“ erdachten wir uns ein „Abschlussdiplom“ mit Bild und dem persönlichen Eigenton. Neben einer Beschreibung der spezifischen musikalischen Begabung des Kindes enthält es auch Ergebnisse aus dem Kursgeschehen – beispielsweise einen Rhythmus, eine Melodie, ein Lied, oder sogar ein selbst gemaltes Bild. Auf elektronischer Ebene kann eine kleine Tonaufnahme oder ein kurzes Video hinzutreten. Durch diese Inhalte kann das Diplom nicht nur als Erinnerung an eine gute Zeit dienen, sondern bei egal welcher sich anschließenden musikalischen Aktivität ein nützlicher Anknüpfpunkt sein.

Auch die Struktur stand schnell fest: Am Anfang ein Einzeltermin von 30 Minuten, um das Kind und sein Potential und seine Individualität gut kennenzulernen. Gefolgt von fünf weiteren Terminen in einer Gruppe von insgesamt zwei Kindern. Das Programm:

A) Kennenlernen und spielerischer Umgang mit Klavier, Geige, Blockflöte, Zupf- und Schlaginstrumenten,
B) Selbsterfahrung im Erfinden von eigenen Rhythmen, Melodien und Liedern (Improvisation und Komposition), und
C) Ermittlung des persönlichen, unveränderlichen Eigentons, Erfahrung der eigenen Stimme, ggf. auch Singen.

Abschließend besteht für die Eltern die Möglichkeit eines Beratungsgespräch mit dem Kursleiter und/oder dem Musikschulleiter. Der Kurs erfordert keinerlei Vorerfahrung. Es braucht keinerlei häusliche Unterstützung, und man muss kein Instrument anschaffen.

Jetzt fehlte nur noch ein guter Name. Aber egal, das kann warten. Per Rundmail wurden die wartenden „Junge-Einsteiger“-Familien informiert. Und so befand ich mich bald in der Lage, Absprachen über Kurszeiten zu treffen, ohne den Namen des Kurses zu kennen! Ich gestand, dass uns noch kein Namen eingefallen war. Doch die Schülermutter am anderen Ende der Telefonleitung wusste Rat: „Wie wäre es mit „Junge Entdecker„?“, fragte sie. Vielen Dank, ein Volltreffer!

Ich bin jetzt sehr glücklich, dass wir einen wesentlichen Baustein aus unserem musikalischen Angebot, den Orientierungskurs für 5-8-jährige, wieder anbieten können. Das neue Konzept baut auf den erfolgreichen Erfahrungen der „Jungen Einsteiger“ auf. Es ermöglicht eine noch stärkere individuelle Förderung und erbringt außerdem konkret nutzbare Anknüpfpunkte zum weiteren Musizieren.

Ich werde hier von Zeit zu Zeit berichten, wie sich dieses Format entwickelt.

Herzlichst, Euer Thomas Rohde





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