Ostersamstag 03.04.2021: Ein Jahr Corona – was haben wir gelernt?

Ich weiß nicht, wie es Euch Leser*innen geht, aber ich frage mich nach einem Jahr Pandemie: Was haben wir gelernt? Und was gibt es als nächstes zu lernen?

Sicher ist, dass wir im März 2020 aus dem Bewusstsein, es werde schon alles mehr oder weniger wie bisher weitergehen, jäh herausgerissen wurden. Seither erleben wir, wie alle möglichen Ebenen und Instanzen unserer Gesellschaft versuchen, das neuartige Virus „in den Griff zu bekommen“. Die meisten von uns haben das mit wechselnden Gefühlen und Meinungen begleitet. Und sicher nicht immer nur mit der Zuversicht, es werde sich schon alles finden.

Ja, klar haben wir viel gelernt: praktische Dinge, vorher unbekannte Worte, plötzlich allgemein verbreitete, neue Gewohnheiten. Aber im Kern?

Ich fang mal mit der Musikschule an: Wir haben definitiv neue Wertschätzung für bestimmte Dinge entwickelt. Nicht nur für den „Remote-Unterricht“, mit dem wir über Lockdowns hinweg emotional und musikalisch Kontakt zu unseren Schüler*innen halten und vertiefen konnten. Ich rede auch nicht von den beiden Video-Konferenz-Konzerten dieses Jahres, mit ihren vielen emotionalen Momenten. Und ich brüste mich auch nicht mit dem neuen „Daheim-Klangnest“, mit dem wir erstmals über eine frühe musikalische Förderung verfügen, die tatsächlich wirkt. Nein: Wir Musiklehrer haben gespürt, wie wir die einfache Nähe anderer schmerzlich vermisst haben. Wie wichtig das ist. Wie sehr wir das brauchen, und wie unersetzlich das ist. Jeder, mit dem ich darüber spreche, bestätigt mir das.

Persönlich hat sich für mich so einiges verändert: Ich singe, komponiere und texte viel mehr, und mache laufend Ton- und Videoaufnahmen. Ich habe die Trennschärfe meiner Prioritäten verfeinert. Zugleich lebe ich mehr im Moment. Ich habe einen neuen Blick für Wesentliches.

Was mich gerade so richtig umtreibt, ist jedoch etwas anderes. Ich bin zutiefst skeptisch. Werden wir mit den Konzepten der Schulmedizin, mit dem alten Denken „jeder gegen jeden, und alle gegen die Natur“, wirklich weiterkommen? Werden wir mit diesen Werkzeugen eine so kleine und kaum fassbare Sache wie das Virus „in den Griff bekommen“, wie landauf landab wie in einem gleichlautenden monotonen Singsang zu hören ist? Oder werden wir gerade Zeugen von dem grandiosen Scheitern genau dieser Denke, dieser Konzepte?

Ist es wirklich sinnvoll, einen „Krieg mit dem Virus“ (aktuelles Zitat Berliner Ärzteschaft) zu führen? Wie, bitteschön, soll der denn gewonnen werden? Ich bin zwar Künstler und kein Naturwissenschafler, aber so ein Virus ist doch ein Teil der Natur. Wie wir auch. Sollten wir nicht besser am Schutz davor arbeiten, einen Umgang entwickeln, anstatt der Illusion des „in den Griff bekommens“ hinterherzujagen? Anstatt hinter jedem neuen Serum, hinter jeder fancy Geschäftsidee der Pharmaindustrie den Zaubertrick vermuten, der uns „die Normalität“ zurückbringt?

Als Quintessenz dieser Zweifel und als Ausdruck meiner tiefsten inneren Überzeugung habe ich ein Lied verfasst: Das Friedenslied. Es ist ab Ostersonntag 2021 auf meinem YouTube Kanal zu hören. Es kam als Inspiration in der nagenden Frage „wie soll es nur weitergehen“, und ist zu einem Geschenk für die Welt geworden. Hört und seht und habt Spaß damit!

Herzlichst, Euer Thomas Rohde

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