Montag 4.5.2020: Ein kurzer Bericht aus der Sinziger Musikschule

Das neue Schild an der Tür

Kennt ihr noch den Schlager „Er gehört zu mir..“? Marianne Rosenberg, 70er Jahre? Und wie geht es weiter, na? Genau: „..wie mein Name an der Tür“.

Türschilder und Namen. Seit der kompletten letzten Woche sind wir mit dem neuen Musikschul-Logo im Thema. Als sich jetzt die Aufgabe stellte, die neue Betriebsweise zu kommunizieren, kam das neue Logo gleich an die Tür. Wir haben also wieder „auf“, jedenfalls auf eine Art. Du kommst zu uns hoch, beachtest die Distanz-Regeln, wäschst Dir die Hände und hast Deinen Unterricht. Mit Maske. Oder Du sagst, nee ich will lieber noch ein bisschen weiter online Musik machen. Aber gerne doch. Nur die Klangnest-Kinder merken das noch nicht, sie werden immer noch daheim bekindergärtnert und haben Klangnest via Zoom. Die Jungen Einsteiger sind weiter auf stand by.

Aber es ist ein Schritt. Nicht in die „Normalität“, die sie sich jeder herbeisehnt, mit dem ich mehr als drei Sätze wechsle. Eher wohl in die „andere, neue Normalität“, die sich vor unseren staunenden Augen ausprägt. Überall Menschen mit stark schwankenden Stimmungslagen, wenig fokussiert, mit eigenartigen Verhaltensweisen und allem möglichen im Kopf. Darunter jedoch selten oder fast nie Zuversicht, Grundvertrauen und Selbstgewissheit.

Mitten in dieser „anderen, neuen Normalität“ lebt die Generation, die zwischen 2014 und 2018 geboren ist. Wenn man akzeptiert, dass die gesamte Gesellschaft momentan im Schnitt milde traumatisiert ist: Diese Kinder trifft das aktuelle Geschehen mit doppelter Wucht. Ihr übliches Leben war wie bei fast allen von heute auf morgen weg, das heißt sie treffen ihre Freunde nicht und dürfen entweder gar nicht in den Kindergarten, oder in die „Notbetreuung“. Ein ganz neues Wort, das sich den betroffenen Kindern vermutlich wie mit einem Brandeisen einprägt. Denn sie haben noch ein zweites, wesentlich gravierenderes Problem, über das sich viele Erwachsene nicht im klaren sind: Ihr Eltern und Bezugspersonen brechen seelisch ein. Und zwar nicht mal einer und mal der andere, sondern alle gleichzeitig. Sie fallen als Quelle für ihr „Urvertrauen“ weg. Einfach so. Ohne dass darüber groß gesprochen wird. Keiner mehr da, der alles weiß, alles kann, der immer helfen kann. Zack.

Trauma, das bedeutet eine schwere seelische Verletzung, die zu einer Persönlichkeitsspaltung führt. Der verletzte Teil erstarrt. Der andere Teil legt sich darüber, versucht den verletzten Teil zugleich zu schützen und zu verstecken. Diese Anstrengung beansprucht den größten Teil der Lebensenergie. Die Betroffenen wirken apatisch, teilnahmslos, emotionsarm. Oder sie legen in ihrer Not ein unangepasstes Verhalten an den Tag. Sie brauchen unsere Aufmerksamkeit, unsere Liebe, unser Verständnis. Und Angebote, die es ihnen möglich machen, ihr Schneckenhaus aus Schmerz und Angst zu verlassen. Am besten überströmende Freude, alberner Übermut, Grimassen, Verkleidungen, verrückte Geräusche, komische Gesten. Medizin halt.

Ich werde hier noch drei Blog-Beiträge pro Woche bringen, jeweils Montag, Mittwoch und Freitag. Die Schule fährt einen gemischten Betrieb aus Online- und Präsenz-Unterricht. Das fordert im Moment viel von meiner Aufmerksamkeit. 

Jetzt sage ich tschö mit ö, bleibt fröhlich und gesund, singt und musiziert, und bis übermorgen an dieser Stelle! Danke für Eure treue Aufmerksamkeit, Euer Medizinmann Thomas Rohde

Und hier ist der Link fürs schnelle und einfache Teilen dieses Texts: https://bit.ly/2yvebZh

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