Montag, 16.3.2020: Ein kurzer Bericht aus der Sinziger Musikschule

Freude in die Herzen der Menschen zu bringen, dafür gibt es unsere Musikschule. Doch anstelle des fröhlichen Gewusels des Eltern-Kind-Klangnests, des Junge-Einsteiger-Kurses und des Spätnachmittags-Klangnests sitze ich jetzt mitten am Nachmittag allein im Flügelzimmer. Durch den Gang wehen Geigen-, Mundharmonika- und Gitarrentöne. Ich schreibe, denke nach, spüre in mich herein, streiche und texte neu.

Gerade waren noch Klavierschüler da. Die Kinder im Grundschul- und frühen Gymnasialalter waren tendenziell entspannt (kein Schulbesuch), jedoch nicht wirklich zufrieden mit ihrer Situation. Zuhause lernen ist halt doch irgendwie doof. Zwischendrin war ich bei der Hotline vom Gesundheitsamt Ahrweiler durchgedrungen. Aufmerksam hört die junge Frau zu: Mit unserem 1:1 Unterricht leisten wir einen Beitrag zur allgemeinen Gesundheit. Veranstaltungen und Gruppenstunden lassen wir einstweilen pausieren. Nein, sagt sie, es spricht tatsächlich nichts dagegen, bis auf weiteres den risiko-armen 1:1 Unterricht mit denen, die kommen wollen, weiterzuführen. Zur Sicherheit lasse ich unsere Telefonnummer da. Es ist also amtlich: Wir dürfen den am Wochenende im Kollegium gefassten Entschluss umsetzen: Hände waschen, Abstand halten, weiter machen.

Die Kollegen, die sonst Schlag auf Schlag unterrichten, haben jetzt Lücken im Plan. Wie fast alle sind auch sie verunsichert. Sie wollen bestärkt und ermuntert werden. Sie freuen sich über die Nachricht vom Gesundheitsamt, und über jeden einzelnen Schüler, über jede Schülerin. Diese wiederum zeigen sich dankbar. Wir alle spüren: Es sind besondere Momente, in denen wir uns hier begegnen.

Da unterbricht mich der Anruf einer neuen Interessentin. Sie will Ukulele lernen. Ich trage sie für Mittwoch zu einer Schnupperstunde ein. Noch während dem Telefonat reicht mit eine erwachsene Schülerin ihren Vertrag herein. Sie hat ihre Tochter mitgebracht und strahlt mit der Sonne draußen um die Wette. Das Leben ist schön. Letzte Woche hätte ich das vielleicht gar nicht so deutlich wahrgenommen.

Jetzt klappe ich den Laptop zu. Morgen gibt’s hier den nächsten Bericht.

Herzlichst, Euer Thomas Rohde.

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