Mittwoch 25.3.2020: Ein kurzer Bericht aus der Sinziger Musikschule

Optimismus für die Welt, die Erde, die Menschen

Wir werden Profis. Das waren wir online, auf Skype & Co., bisher ebenso wenig wie die meisten unserer Schüler und Schülerinnen. Geige, Klavier und Gitarre sind analoge „Maschinen“, die menschliche Stimme ohnehin. Wahrscheinlich hätten wir das nie gemacht, wenn, ja wenn es nicht dieses Virus geben würde. Ich habe darüber schon geweint. Aber heute, heute feier ich es!

Gegen mittag meldete sich eine Schülerin aus ungefähr meiner Generation. Nein, das mit ihrem zehn oder 15 Jahre alten Laptop könnten wir vergessen. Keiner kann ihr helfen, sogar der damalige Verkäufer des Geräts aus zweiter Hand sei ratlos. Gegen Abend, nach vielen Schülern und einer Klangnestgruppe baute ich gerade mein Mikrophonstativ ab, war sie wieder in der Leitung: „Hey, ich hab jetzt Skype. Such einfach meinen Namen!“. Eine spontane Klavierstunde später konnte sie „Freude schöner Götterfunke“ komplett spielen und hatte das Stück sogar notiert. Ich ging aus der Leitung, während sie mit Feuereifer weiter übte. Morgen oder übermorgen will sie die Begleitung lernen.

Ein Lehrerkollege berichtet, wie er in den blauen Himmel schaut. Keine einzige künstliche Wolke von Flugzeugen ist dort zu sehen. Er fühlt, wie erleichtert die Erde ist, und freut sich von ganzem Herzen. Er hofft sogar, dass die Beschränkungen noch bis in den Sommer hinein andauern würden. Die umweltschädliche Urlaubssaison würde ausfallen, das Wasser um Venedig bliebe blau und sauber. Und vieles andere wäre auch so.

Einig waren wir uns über die Wirkung der momentanen Maßnahmen. Ein nahezu lückenloses Massentrauma, mit nichts bisherigem vergleichbar. Am nächsten kämen höchstens noch die 9/11 Ereignisse. Die Stimmung draußen ist aber viel komischer als damals. Leute verhalten sich seltsam. Manche mögen nicht einmal mehr zurücklächeln, wechseln stattdessen die Straßenseite.

Doch wir sind guten Mutes. Musik war für uns immer ein Lebens-, ja ein Überlebensmittel. In einer Gesellschaft, die Wirtschaftskraft und Statussymbole so unvergleichlich hoch bewertet wissen wollte, haben wir uns gelegentlich ein bisschen allein gefühlt. Jetzt scheint sich auch da etwas zu verschieben. Wer hätte das gedacht..!

Schaut gerne morgen wieder vorbei, ich freu mich auf Euch! Euer Thomas Rohde.

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