Mittwoch 13.5.2020: Ein kurzer Bericht aus der Sinziger Musikschule

Die große Diversität

Wisst ihr, liebe Leserinnen und Leser, was ich in den ersten Tagen des Lockdowns im März gemacht habe? Ich habe bitterlich geweint. Ich habe getrauert um die Zeit „vor Corona“, denn eines war mir klar: Diese Welt ist versunken, ihre Zeit abgelaufen und vorbei.

Damals konnte ich noch nicht wissen, ob sich diese Ahnung als zutreffend erweisen würde. Und wenn ja: Was würde das bedeuten? Inzwischen sind wir knapp zwei Monate weiter. Die alte Zeit ist bis auf weiteres suspendiert, das ist schon mal sicher. In unserer Musikschule regieren mehr denn je die Unterschiede: Wir Lehrer teilen unsere Nachmittage auf, zwischen Präsenz-Unterricht und Online-Schülern. Die aktuellen Neuanmeldungen dieser begonnenen Woche umfassen zwei erwachsene Schülerinnen für den neuen Online-Kurs Klavier in der Testphase, einmal Präsenz-Klangnest (am liebsten mehrmals pro Woche, geht aber grad noch nicht) und einen Geigenschüler, der von vorneherein online daheim unterrichtet werden will.

Viele der bisher online betreuten Schüler*innen kommen mit großer Freude wieder in die Schule. Sie waschen sich vor und nach dem Unterricht die Hände, verwenden Desinfektionsmittel und halten in regelmäßig gelüfteten Räumen den erforderlichen Abstand. 

Andere wollen das (noch) nicht und nehmen weiter Unterricht via Skype oder Zoom. Aus den unterschiedlichsten und für mich immer einleuchtenden Gründen. In Gesprächen stelle ich fest, dass es viele Menschen gibt, die sich für Online-Musikunterricht interessieren. Meistens Leute, denen das Modell „jede Woche zu einem bestimmten Termin in die Schule kommen“ einfach nicht in ihre üblichen Abläufe passt.

Die Krise hat nicht nur eine immer deutlicher in Erscheinung tretende Massentraumatisierung ausgelöst. Viele stellen sich die Frage nach Wertigkeiten in ihren Leben neu. Ich freue mich immer, wenn ich Leute treffe, die gemerkt haben, dass es die Musik ist, die gerade jetzt wichtig in ihrem Leben ist. Selbst gemachte Musik. Viele Menschen setzen genau dort ihre neue Prioritäten. Weil sie sich selbst wichtig sind, weil sie gut mit sich umgehen wollen. Besser als vor der Krise.

In diesem Sinne werden wir auch weiterhin für Euch und alle dasein. Fordert uns, wie all die Jahre zuvor auch schon! Herzlichst, Euer Thomas Rohde

Und hier ist der Link fürs schnelle und einfache Teilen dieses Texts: https://bit.ly/2zzBiSy

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