Freitag 8.5.2020: Ein kurzer Bericht aus der Sinziger Musikschule

„Er hat immer einen Schlüssel dabei.“

Heute möchte ich mit Euch einen Dialog mit einem 5-jährigen Schüler teilen. Seit Tagen geht er mir nicht aus dem Kopf.

Ich: „Schau mal, ich trage heute eine Maske.“ Schüler: „Ja, wegen dem Virus“. Ich: „Ah, der Virus! Was weißt Du über ihn?“ Schüler: „Er ist tödlich. Nicht für alle, nur für manche Menschen. Er ist winzig. So klein, dass man ihn nicht sehen kann.“ Pause. „Es wachsen Pilze darauf. Und er hat immer einen Schlüssel dabei.“ Ich: „Ja. Damit er in uns rein kann.“ Pause. „Boah, das ist ne Menge was Du schon weißt!“ Schüler: „Was wäre wohl, wenn ein Virus so groß wie die ganze Erde wäre. Dann hätten wir echt ein Problem! Dann würden wir so machen: Dong, dong, dong, dong!“

Dieses Gespräch macht mich sehr glücklich. Bei vielen anderen Gelegenheiten habe ich wahrgenommen, wie stark Kinder zwischen zwei und fünf Jahren getroffen wurden. In einem vorigen Blogeintrag habe ich über ihre Traumatisierung durch den Wegfall ihres Urvertrauens gesprochen. Im Online-Klangnest konnte übermütige Albernheit, überdrehte Fröhlichkeit und hemmungsloser Quatsch helfen. Wir haben dort die Selbsternährung dieses Traumas für eine Zeit unterbrochen. Ein etabliertes Trauma möchte gerne alternativlos sein. Der erste Schritt aus der traumatischen Blockade ist immer, eine Zeit zu erschaffen, in der es nicht regiert.

Das Gespräch mit dem Schüler zeigt, es geht das auch mit Geschichten. Gedanklich anfassen, das Phänomen umkreisen, es mit der Fantasie zu fassen bekommen, damit zu spielen. „Er hat einen Schlüssel dabei“ heißt aus Sicht eines Vorschulkindes, dass das Virus wie die Großen, wie die Erwachsenen ist. Dass es Schlüsselmacht hat. Und dass dadurch auch klar ist, warum die Erwachsenen darauf so reagieren, wie sie es tun. „Pilze“ bedeutet, dass dort Leben ist. Dass es irgendwie doch zu uns und in unsere Lebenswelt hineingehört.

Dieser Schüler hat Personen in seinem Umfeld, die mit ihm gesprochen haben. Die ihm einen Raum eröffnet haben, in dem er sich selbständig und angstfrei mit diesem neuen Ding beschäftigen konnte. Liebe Leser*innen, ist das nicht toll? Das kann jede(r) machen, mit den eigenen Kindern, mit denen von Freunden, mit den Nichten und Neffen und Enkeln. Macht das! Es ist eine Quelle des Glücks, denn sowas ist keine Einbahnstraße, es wirkt auf Euch zurück! Je kürzer der Spracherwerb zurück liegt, desto nötiger ist das!

Ich wünsche Euch allen ein wunderschönes Wochenende, herzlichst, Euer Thomas Rohde

Und hier ist der Link fürs schnelle und einfache Teilen dieses Texts: https://bit.ly/2A1KJdF

 

 

 

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.