Freitag 17.04.2020: Ein kurzer Bericht aus der Sinziger Musikschule

Was zählt. Worauf es ankommt.

Vorgestern habe ich hier bereits über Freiheit geschrieben. Eher leise und introvertiert. Denn Freiheit ist für mich zuerst mal etwas, was ich mir selbst in meinem Inneren erlauben kann. Oder etwas, das ich mir aufgrund meiner Weltsicht oder meiner vielleicht vorgefassten, vielleicht anerzogenen Annahmen über die Gesellschaft eben nicht gestatte. Freiheit kann ich finden, wenn ich mich mutig meinen inneren Dämonen stelle. Wenn ich achtsam und klar damit umgehe, was ich entdecke, wenn ich ehrlich in mich reinschaue.

Erst dann, nach einer solchen geleisteten Arbeit, kann es vorkommen, dass Freiheit im Außen gegen Widerstände erkämpft werden muss.

Dabei sollte es sich eigentlich von selbst verstehen, dass ich diese Freiheit auch den anderen Mitgliedern der universalen Menschheitsfamilie zugestehe. Und schon bin ich bei der Musik und unserer Sinziger Musikschule! „Freiheit“ steckt im musikalischen Material unentfernbar drin. Ein Ton kann nur schwingen, wenn er den dafür nötigen physikalischen Freiraum vorfindet. Singen kannst Du nur, wenn Du frei atmen kannst.

Meine sich immer stärker ausprägende Vision an dieser Stelle ist, dass unsere Schützlinge ihre Freiheit entdecken. Jeder und jede einzelne. Auch wenn sie erst ein Jahr alt sind und noch Erinnerungen an jene freien Sphären in sich tragen, von dem aus sie zu uns gekommen sind.

Das Wort „Erziehung“ erscheint mir an dieser Stelle mehr und mehr unangebracht. Wir Eltern und Lehrende sind selbst Lernende. Zusammen mit unseren Schützlingen befinden wir uns partnerschaftlich auf einem Weg zu hoffentlich immer mehr Freiheit. Zumindest in der Musik muss da nicht ge- oder erzogen werden! Inzwischen ist es zuverlässig nachgewiesen, dass Respekt, Motivation, Ermöglichung und Anerkennung von allem was kommt dem frühkindlichen Musizieren guttut. Einfach mal schauen, ob das „Lied für die Oma“ wirklich im Interesse der Kleinen liegt! Oder ob sie uns lieber mit etwas anderem überraschen wollen. Genau besehen geht es dort um Absichtslosigkeit. Absichtslosigkeit der Lehrenden, aber auch der Eltern und älteren Geschwister. Und das ist nun wirklich ein Gegensatz zum „Erziehen“, meinst Du nicht, liebe*r und hoffentlich geneigte*r Leser*in?

Herzliche Grüße aus meinem unablässig produzierenden Heimstudio, Homeoffice und musikalischen Zukunftslabor! Habt ein schönes Wochenende, gerne nächste Woche wieder hier an dieser Stelle und hoffentlich auch bald wieder im guten alten „3D“ an unserer Schule.

Euer Thomas Rohde.

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