Eine Visitenkarte und ihre Geschichte

Leichtmacher als Beruf

Eines Tages startete ich eine kleine Umfrage unter meinen SchülerInnen: Was sie denn glauben, was mein Beruf sei. Die häufigste Antwort war: „Keine Ahnung“ 🙂

Auf eine ermunternde Nachfrage hörte ich dann meistens „Klavierlehrer“. Klar, das stimmt, sagte ich. Aber weißt Du, eigentlich machen wir hier im Kern etwas anderes. Nehmen wir mal an, Du kommst zu mir und willst irgendetwas schönes auf dem Klavier spielen, etwa „River flows“ oder „Für Elise“. Du bist verliebt in diese Idee, findest das betreffende Stück aber schwer. Ich helfe dir dabei. Wir machen das über einige Wochen, bis du das Stück kannst und es für dich leicht ist. Also, sagte ich, haben wir ein schweres Stück in ein leichtes verwandelt. Eigentlich müsste deswegen auf meiner Visitenkarte „Leichtmacher“ als Beruf stehen.

Als ich die Geschichte ein paarmal erzählt hatte, fragte ich mich: „Warum gibt es diese Karte noch nicht?“, entwarf sie und ließ sie drucken.

Die übrigen Informationen dieser Karte beschreiben Dinge, die sich als besonders wichtig herausgestellt haben:

„Klavierspielen mit und ohne Noten“: Ja, anders als viele denken, kann man wunderbar auch ohne Noten Klavier spielen. Noten sind nur eines unter mehreren Mitteln, um sich an spezifische Musik präzise zu erinnern. Noten dienen uns, nicht wir den Noten 🙂

„Musikunterricht ganz ohne sprechen“ ist eine relativ neue und sehr beglückende Erfahrung. Wir spielen einfach zusammen Klavier oder Schlagzeug, und kommunizieren eine ganze Musikstunde lang ausschließlich mit musikalischen Mitteln. Für einige meiner Schüler sind solche Stunden häufiger als solche mit reden … 🙂

„Aus- und Weiterbildung für Musiklehrer“: Ein für mich immer mehr Raum einnehmendes Thema. Knapp die Hälfte aller LehrerInnen an unserer Schule sind oder waren meine Schüler. Dabei geht es nur zum Teil um fachliche Kenntnisse und spielpraktische Fähigkeiten. Zunehmend wichtiger wird das Coaching von KollegInnen in Bezug auf ihren pädagogischen Umgang mit den Schülern, auch „Supervision“ genannt. Dies bieten wir standardmäßig mit unserem Kompetenzteam aus Jonas Becker, Christoph Rieger, Nicolao dos Santos und mir sowohl möglichen neuen als auch bereits bei uns aktiven LehrerInnen an.

„Tagesseminare für Musikschulen“: An allen Musikschulen existiert ein großer und zumeist unerschlossener Schatz an wertvollen praktischen Erfahrungen im Lehrerkollegium selbst. Zusammen mit Mitgliedern unseres Kompetenzteams machen wir dort einen „Lehrertag“, an dem man diese Kompetenzen miteinander teilt und die Kollegialität stärkt und vertieft.

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