Donnerstag 16.4.2020: Ein kurzer Bericht aus der Sinziger Musikschule

Hören als Technik und Methode

Als moderne Menschen sind wir von Maschinen umgeben. Für die Herstellung dieses Textes brauche ich Strom, ein Stromnetz, einen Computer, einen Bildschirm, eine Tastatur, eine Maus, eine Fritzbox, massenweise Kabel und natürlich einen Internetprovider.

Es ist ganz logisch, wenn wir auch den eigenen Körper in den Begriffen der Maschinenwelt betrachten: Wie ein Auto mit Benzin versorgen wir den Körper mit Nahrung. Wir haben Augen wie Kameras, Ohren wie Mikrophone, Gehirne wie Festplatten und Herzen wie Umwälzpumpen für das Blut.

Doch schon der kurze Blick in ein Auge eines Lebewesens zeigt, dass Sehorgane keineswegs eine Einbahnstraßen für Lichtsignale sind. Dort strahlt uns das beseelte Geschöpf in seinem reinen So-Sein an! Ähnlich ist das mit der Nahrung – sie enthält Informationen und Emotionen. Und mit unserem Herz, es lenkt durch Gefühle das Denken des nicht nur als Speicher einsetzbaren Gehirns.

Weniger bekannt ist, dass auch unser Ohr keine Einbahnstraße für akustische Ereignisse ist. Vielleicht habt ihr auch schon erlebt, wie man allein durch Zuhören das Handeln von Menschen beeinflussen kann. Ich nehme mal Grundschulkinder in der Nachmittagsbetreuung. Egal was sie gerade tun, wie aufgeregt und wild sie sind: Ich höre ihnen zu, und sie werden leise und ruhig wie ich.

Eines der vier Module unserer Klangnest-Ausbildung heißt „Hören als Technik und Methode“. Bei dem Beispiel der Grundschulkinder habe ich das Hören als Methode kurz skizziert. „Hören als Technik“ fasziniert mich fast noch stärker. Durch einen einfachen Versuch zeige ich, dass jeder Mensch durch Einsatz des Ohres komplexe Vorgänge steuern kann, die er oder sie ansonsten nicht hinbekommt. Eine besondere „Begabung“ ist dabei nicht erforderlich!

Ich lasse die Person am Klavier ein paar Töne spielen. Erst „legato“, also gebunden ohne Lücken, dann „staccato“, kurz gestoßen. Auch mit beiden Händen gleichzeitig ist das ein Klacks. Aber mit der einen Hand legato und zugleich mit der anderen Hand staccato spielen, davor kapitulieren die meisten. Das sei zu schwer, dafür müssen sie erst „üben“. Sie glauben nicht, dass sie es sofort umsetzen können. Dann erkläre ich mit zwei Sätzen, wie sie ihr Gehör zur Steuerung einsetzen können. Es klappt auf Anhieb zuverlässig, sicher und entspannt. Die Show dauert höchstens drei Minuten, alle sind verblüfft.

Am Montag ist es wieder soweit: Dann verbinde ich mich durch mein Gehör mit unseren Klangnestfamilien. Das klappt auch online und macht allen viel Spaß.

Den wünsche ich Euch auch allzeit! Herzlichst, Euer Thomas Rohde

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