Dienstag 7.4.2020: Ein kurzer Bericht aus der Sinziger Musikschule

Heute ist Vollmond. Dick und fett steht die orangene Scheibe am Himmel. Gegenüber funkelt der Abendstern am wolkenlosen Himmel. Es herrscht warme Witterung. Ich bin am Rhein. Das Panorama ist atemberaubend. Vereinzelt Menschen. Ein Elektrofahrzeug des Ordnungsamts schwebt leise summend vorbei.

Mir fehlt der Schulbetrieb. Die Kollegen, das Gewusel auf dem Gang, das voll besetzte Wartezimmer. Diese so einfache und über die Jahre gewachsene Struktur. Ich verliere mich in Trauer. Der dicke dumme Mond drückt auf die Stimmung. Ich hab das social distancing gründlich satt. Mein Herz will nicht verstehen. Es sagt: Was soll der Quatsch? Warum muss das alles so sein?

Dabei hätte ich gerade heute Grund zu feiern: thomas-rohde-klavier.de ist online. Endlich, nach monatelangen Vorarbeiten. Die Seite handelt von meiner Musik. Meine Kompositionen „Achso“, „Hello Thomas“, „Chinesenlied“ und andere sind zu hören. Man kann Noten herunterladen. Eigene Unterseiten informieren über das Thomas Rohde Trio, über die unglaubliche Aktion „Sprich mit mir“ mit Stefanie Manhillen, über die herrlichen „Ich bin ich“ Workshops. Es gibt eine erste kommerzielle Funktion: Die „Achso“ Noten können gegen Gebühr heruntergeladen werden. Kurz vor Schluss und bereits unter Eindruck der Pandemie ist „Selber spielen“ ins Menü gerutscht. Den Anfang macht eine Spielanweisung für das Chinesenlied. Weitere Handreichungen für Klavierspieler werden folgen.

Ja, es stimmt: Online wird immer wichtiger. Einwählen ist das neue Reisen. Meine Skype-Kennung fängt mit „live“ an. Dieses digitale „live“ ist die Zukunft. Wir, mitsamt unserer Musik und dem Musikunterricht, gehen damit großartigen Zeiten entgegen. Die Geschäftsmodelle passen sich an. Wahrscheinlich plagt mich heute nur eine adaptive Schwäche. Der Frühlingsblues. Ich fühle mich hoffnungslos unglücklich verliebt, und zwar in das gute alte analoge „live“. Wo seid ihr, Künstlerkollegen? Wo sind die Konzerte, die Proben, das gemeinsame Komponieren? Wo ist mein altes Musikerleben geblieben?

Ich wünsche Euch von Herzen, dass es Euch gerade jetzt besser geht als mir. Vielleicht könnt ihr ein Stück weit mit mir fühlen. Kommt gerne wieder vorbei und seid herzlich gegrüßt, Euer Thomas Rohde

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