Dienstag 24.3.2020: Ein kurzer Bericht aus der Sinziger Musikschule

Was ist eigentlich los hier?

Ich bin froh und dankbar, dass ich hier über Erfolge schreiben darf und kann. Dass wir unser Ziel, mit unseren Schülern gerade in dieser Zeit weiterzuarbeiten, weiterzuspielen, weiter zu musizieren, locker erreicht haben. Dass alle Lehrer die Technik im Griff haben. Auch die analogen Künstlertypen aus der vordigitalen Welt, die vor zwei Wochen noch nicht einmal wussten, wie man „Skype“ buchstabiert. Heute haben sie ihren Spaß damit!

Ich bin dankbar, dass wir unserer Schülerschaft ein Stück Kontinuität, Normalität und Verbindlichkeit bieten können. Dass wir die Klangnestgruppen haben, um auch unseren Jüngsten da draußen Klang und frohen Mut in die Wohnzimmer zu schicken. Dass Glückwunsch-Botschaften der Eltern kommen. Heute zum Beispiel von einer Mutter, die ich nur selten sehe, direkt nach der Klavierstunde ihrer Tochter: „Vielen Dank, das war super!“

Dankbarkeit also. Wen ich auch spreche, sie sagen: „Uns geht es gut.“ Auf Nachfrage sagen sie: „Hm ja, nicht so richtig gut. Anderen geht es aber viel schlechter.“ Ich spüre den entschlossenen Wunsch, zu funktionieren. Darunter der Schatten. Der verdrängte und dennoch präsente Schock. Die lauernde Angst. Der zerbrechliche und nur noch oberflächliche Kontakt zum innersten Selbst. Mit einigen tauche ich tiefer ins Thema. Sie verstehen nicht, was da gerade vor sich geht. Sie sind ratlos und geraten emotional an Grenzen. Seelischer Notbetrieb, wohin das suchende Herz blickt. Gerade die Sensiblen, die Künstler, die begabten Pädagogen, sie spüren es am stärksten.

Und dann sind da die Kinder. Die empfindlichsten, feinfühligsten und abhängigsten Menschen in unserer Gesellschaft, in unseren Familien. Immer noch gibt es Erwachsene, die sie nicht als vollwertige Subjekte wahr- und für voll nehmen. Ich sehe Kinder, die als Stütze für ihre durcheinander geratenen Eltern dienen. Umgekehrt sollte es sein, doch den Eltern – manche bemerken es sogar und sind dennoch hilflos – ist kein Vorwurf zu machen.

Was ist hier los? Was passiert gerade mit uns? Fragt ihr Euch das auch manchmal? Verzeiht mir bitte, wenn ich heute ein bisschen ernst und nachdenklich bin. Die Stimmung da draußen ist komisch. Lasst uns bitte zusammenstehen, zusammenhelfen. Richten wir uns gegenseitig auf, jede(r) nach seinen bzw. ihren Möglichkeiten. Lasst uns geduldig, höflich, wertschätzend, ehrlich und liebevoll sein. Lasst los und locker. Schenkt anderen ein Lächeln. Lasst Musik unter uns sein!

Danke für Eure Aufmerksamkeit. Passt auf Euch auf, bleibt gesund und fröhlich. Gerne bis morgen, wenn ihr mögt. Euer Thomas Rohde

Ach ja – wenn ihr den Text anderen schicken wollt, benutzt einfach diesen Link: https://lmy.de/E8TRU

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