Dienstag 21.04.2020: Ein kurzer Bericht aus der Sinziger Musikschule

Ich spiel Klavier ganz ohne Plan …

Heute möchte ich über eine etwas grundsätzliche Sache schreiben, die ich gerade mit einer Künstlerfreundin diskutiert habe: Ist es unsere Aufgabe als allgemein Kunst- und speziell Musiklehrer, unseren Schützlingen so etwas wie Nachmachanleitungen zu bieten? Also wie male ich einen Hund, wie spiele ich Happy Birthday, wie töpfere ich eine Schale?

Oder sollten wir dazu ermutigen, sich im jeweiligen Medium selbst auszudrücken, die ganz persönliche Kunst und Kunstsprache zu finden?

Was ihr oben in dem Video seht, ist eine Nachmachanleitung für Musik. Nicht die klassisch-traditionelle (also die Notenschrift), sondern eine moderne. Du siehst, welche Tasten gerade dran sind, hörst die Musik, that’s it. Die dazugehörige Musik, mein „Einszweidreifünfvier“-Lied, eignet sich aber auch für den anderen Weg: Ich höre in mich rein, probiere aus, prüfe, verwerfe, sammle, finde zu meiner ganz eigenen persönlichen Musik. Dieser Weg beginnt eigentlich immer mit dem, was wir Musiker „Improvisation“ nennen. Wir lassen los, hören auf zu denken, lassen unser Instrument intuitiv und ohne Plan erklingen.

Wenn ich als Klavierlehrer einem Schüler oder Schülerin das vorschlage, begegne ich oft einer Angst: Es könnte ja mal nicht so schön klingen, die dummen dummen Finger (Scherz!) könnten ja einen Misston erzeugen. Eine Angst ist eine Angst und deswegen so da. Hier kann der Ansatz, nur die schwarzen Tasten zu verwenden, ein hilfreiches Signale an diese Angst senden: Hallo, wir werden nur schwarze Tasten spielen. Die klingen entweder super oder aber mindestens okay, egal in welcher Kombination.

Schaut mal rein zu meinem „Chinesenlied“, das neuerdings als „Einszweidreifünfvier“ auch gesungen werden kann. Auf meiner Seite habe ich zwei Aufnahmen hinterlegt, die solche Improvisationen zeigen. In den dazugehörigen Noten sind Freiräume zum improvisieren eingezeichnet. Einfach anhören, Noten ausdrucken, Spaß haben!

Viel Spaß wo immer ihr auch seid, und herzlich gerne morgen wieder an dieser Stelle! Euer Thomas Rohde.

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